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Mittwoch, 15. August 2012

Schreiborte - Der Friedhof Melaten in Köln

Friedhof Melaten. Parkbank am Weg zwischen 66 und 66a. Donnerstag Mittag. STOP! Noch eineinhalb Stunden bis zum Beginn der Kinderführung. STOP. Sehr still aber kein toter Ort. Vögel singen. STOP. Millowitsch schon seit 13 Jahren tot. Kinder kennen den gar nicht. Merke, dass ich älter werde. STOP. Gut zum Schreiben, weil die Biographien der vergrabenen Körper, die Kunst der Gräber und die mehr oder weniger lebendigen Besucher äußerst inspirierend sind. STOP. Gibt aber auch ungeeingnete Orte. Zum Beispiel Mahnmal für die Opfer von Königsgrätz, direkte Nachbarschaft zum (wahrscheinlich) ermordeten Nazioberbürgermeister, dem verunglückten Opernsänger und der Roma-Königin. Sonne dort zu hell, zu viele Leute. STOP. Lieblingsschreibort ist jedoch perfekt. Nähe zur Buddhistin, Klosterfrau Melissengeist und dem Symbol für den plötzlichen Tod. Seid allzeit bereit,
Der Tod ist nicht weit. STOP.

Donnerstag, 9. August 2012

Orte zum Schreiben – An der Deutzer Brücke in Köln – Linksrheinisch (was sonst?)


Er sitzt auf einer Parkbank direkt gegenüber der Baustelle für die neue Lanxess-Zentrale (Wortneuschöpfung: „To lance Success“). Dienstag, später Vormittag. Die Atmosphäre ist angenehm ruhig, die Parkbank perfekt positioniert. Hin und wieder dringt der Lärm der Baustelle zu dem Schreibenden herüber, doch die vielen Spaziergänger auf der breiten Uferstraße befreien ihn von dem Eindruck der nervigen Enge der Altstadt. Sie flanieren entspannt im Sonnenlicht am Rhein, malerisch vor der Kulisse pseudomittelalterlicher Häuser.
Der Großstadtverkehr beginnt schon in direkten Nachbarschaft. Doch obwohl die Deutzer Brücke unentwegt Stadtbahnen, Autos und gestresste Kölner über den Heumarkt schleudert, kann er hier im Schatten der Bäume schreiben und seinen Blick über die Wellen schweifen lassen.
Unser Schreiberling verliert sich in der Welt der Worte, während vor ihm ein junges Paar die vorbeifahrenden Schiffe betrachtet, zwei Fahrradfahrer beinahe kollidieren und sich kurz aber heftig die Meinung sagen und die Rentnerin neben ihm anfängt, ihre Handtasche wie wild zu durchwühlen. Der perfekte Schreibort.

 
Foto: Fummelmond