Montag, 10. Dezember 2012

Training mit Ex-Profis



Am 28.11.2012 haben sich in Köln Lehrer, Sozialarbeiter, Schüler und Politiker getroffen, um geneinsam zwei Sportevents für Jugendliche zu organisieren. Die Veranstaltungen werden im Mai und im September 2013 in Köln stattfinden. Ziel ist es, die Jugendlichen anzusprechen, die aufgrund ihrer familiären oder sozialen Situation an keiner der schon etablierten Sportfeste in Köln teilnehmen können.

Links vorne: Talwasa Malang, Kai Manteuffel, Marco Reich
Zweite Reihe v.li.: Heinz Sieke, Dr. Ralf Heinen, Peter Kron, Ruth Altmeier, Dave Jindal, Daniel Machnik, Jutta Fessler, Markus Thulin, Sara Saponara
[Foto: Frank Teufer]

Ex-Sportprofis werden im Rahmen dieser Aktionstage mit den interessierten Jugendlichen Trainingseinheiten durchführen. Das gibt ihnen den Anreiz, aktiv Sport zu treiben und regelmäßig zu üben. Die Events sollen sowohl links- als auch rechtsrheinisch stattfinden. Erklärtes Ziel ist es, die Jugendlichen bei der Organisation der Veranstaltungen miteinzubinden und ihre Wünsche und Ideen zu berücksichtigen. 

Dem Treffen ging in diesem Jahr ein Partizipationsprojekt auf komunaler Ebene voraus. Lest/Lesen Sie dazu den Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger:


Im Juni diesen Jahres haben die Schülerinnen und Schüler auch Wahlwerbespots im Audioformat aufgenommen, um ihre zuvor gegründeten Parteien zu bewerben. Die Ergebnisse findet Ihr/finden Sie unter:


Wir werden auf diesem Blog von nun an regelmäßig über den Fortgang der Vorbereitungen für die Sportevents informieren.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Quietscheentchen auf großer Fahrt - Teil III

Diesen Post können Sie/könnte Ihr auch auf Spanisch lesen. Bitte hier klicken!

Gebt der Ente einen Namen!
Nadia - Einer der Helfer der DLRG taufte die bis dato namenlose Rheinreisende indem er ihr einfach einen DLRG-Helm mit diesem Namen auf das Gummihaupt setzte. Doch der Gummidame schien das völlig egal zu sein. Unbeirrt setzte sie ihren Weg fort. Nicht einmal die zahlreichen Rhein-Schleusen konnten sie aufhalten.
Bei Breisach (in der Nähe von Freiburg i.B.) fliessen der Rhein und der Rheinseitenkanal wieder zusammen. Von Breisach bis Iffezheim (bei Baden Baden) ist er durch sechs Staustufen geregelt. Alle Staustufen haben je zwei Schleusen und ein Wasserkraftwerk. Da der Rhein ab dem 19. Jahrhundert zunehmend für grosse Schiffe, die bis zu 20 000 Tonnen transportieren können, begradigt und ausgebaggert wurde, reduzierte man zwar die regelmäßigen Überschwemmungen und die damit verbundene Zerstörung der Häuser, Brücken und Felder, nahm jedoch in Kauf, dass das natürliche Ökosystem des Flusses verschwand. Früher war der Rhein drei bis vier Kilometer breit, nun sind es oft nicht mehr als 200 Meter. Der Ausbau des Rheins zwischen Basel und Bodensee für die Großschifffahrt konnte jedoch verhindert werden, da der Bodensee als Trinkwasserreservoir geschützt werden muss.
Am Sonntag, de 9. September traf Nadia in Mannheim ein. Am 13. September wurde die kühne Schwimmerin frontal von einem großen Schiff erfasst und das Team um Burkhardt Weiß verlor sie aus den Augen. Doch das mit Bangen erwartete GPS-Signal zeigte, dass die Gummiente den Zusammenstoß nicht nur überlebt, sondern auch ihrem Team davongeschwommen war. Nach einer kurzen Suche und (beiderseitiger) großer Wiedersehensfreude ging es weiter. 
Am 14. September schwamm Nadia am Kölner Dom vorbei. Das stetig wachsende Interesse der Öffentlichkeit führte dazu, dass sie nicht nur von zahlreichen Zuschauern, sondern auch von mehreren Kamerateams und sogar einem Piratenschiff mit Entenflagge empfangen wurde. Zwei Tage später überschwamm sie bei Nimwegen die niederländische Grenze. Kurz vor dem Rotterdamer Hafen schockte Nadia ihr Team durch einen spontanen Richtungswechsel. Anscheinend hatte es im Vorfeld keine genauen Absprachen zwischen ihr und ihren Begleitern gegeben. Jedenfalls schwamm sie in den linken und nicht in den rechten Flussarm. Im Deltagebiet gibt es allerdings nicht nur verschiedene Rheinarme, sondern auch einen Schiffsverkehr wie auf der A1 bei Köln am Freitagnachmittag. Ihre Crew konnte sie erst nach 20km einholen und dann, natürlich wurde die Zeit gestoppt, in den richtigen Rheinarm setzen.
Und dann war es endlich soweit: Am 19. September sendete Nadia um 13.22 Uhr und 59 Sekunden per GPS eine Position, die außerhalb des Rheins und damit in der Nordsee verortet werden konnte. Bei Hoek van Holland hatte sie das offene Meer erreicht.

In den 19 Tagen ist Nadia 236 Stunden geschwommen und hat dabei 1170 Kilometer zurückgelegt. Dann muss man noch die Passage über den Bodensee berücksichtigen; für diese 63 Kilometer benötigt das Wasser mindestens 21 Tage. Das Wasser des Rheins braucht für die insgesamt 1233 Kilometer von der Quelle bis zur Mündung in die Nordsee also etwa 31 Tage.

Link zum Tagebuch des Kopfball-Enten-Experiments! 

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Raus aus der Sekte! Rein in die Entwicklungszusammenarbeit!



Die Welt wird untergehen – am 21. Dezember. Es wird Zeit, darüber zu reden. Denn glaubt man den Weltuntergangsszenarien, dann könnte es sein, dass es diesen Blog und die Welt, die ihn zeugte, schon bald nicht mehr geben wird.
Die Gesellschaft ist ganz allein selbst daran Schuld, dass so viele Menschen Antworten jenseits des Leistungsstrebens und des Kampfes um den nächsten Arbeitsvertrag suchen. Es gibt keine Sekten. Es gibt nur die Suche nach einer Wahrheit und die kann man nun einmal nicht bei Kaufhof oder im nine-to-five-job finden. 
Prinzipiell ist jedoch zu befürworten, die spirituelle Erlösung bei der praktischen Hilfe für bedürftige und hilflose Lebewesen zu suchen. Teil einer Sekte zu sein ist dagegen unproduktiv. Außerdem provoziert man Antipathien der Vertreter etablierter Weltanschauungen. Unsere Gesellschaft grenzt aus, was gegen den Strom schwimmt. Fanatische Sektierer werden aus der Asche der Opfer verzweifelter Kämpfe gegen unsere seelenlose Konsumgesellschaft geformt.
Ich will die Sekten nicht in Schutz nehmen! Sie sind gefährlich – nicht für die Gesellschaft, aber für die Persönlichkeit eines jeden Menschen, der von ihnen geworben wird. Entwicklungshilfe für die Lebewesen eines Slums in Nairobi ist definitiv besser. Dort kämpft man wirklich für das Gute. Auch wenn man genauso gegen Windmühlen anrennt. Doch lebt man für den Nächsten, so lebt man für eine gute Sache. Da hatte Jesus tatsächlich Recht.
Geht in die Entwicklungshilfe! Es werden gerade die Leute gesucht, die über Berufserfahrung verfügen. Bis Mitte 30 - Anfang 40 kann man noch relativ problemlos auswandern - vor der Einschulung des ersten Kindes. 
Geht in die Entwicklungszusammenarbeit! Auch wenn man nicht viel bewirken kann, die Ursache des Unrechts nicht beseitigt, so ist die Bewahrung des Lebens nur eines einzigen Straßenkindes alle Mühe wert. Was macht es schon, dass ich mit meiner Vergangenheit nicht abgeschlossen habe? Auch wenn ich in einer Gemeinschaft lebe, die mir dazu verhilft, die wahre Realität zu erforschen - man bleibt doch ein Gefangener des Kapitalismus. 
In Nairobi regiert natürlich auch schon längst die Konsumgesellschaft. Sie frißt die Menschen auf, die vom Land in die Städte strömen, um ihrem Elend zu entfliehen, nur damit sie für einen Hungerlohn und ohne Gesundheitsschutz Hosen für GAP oder Kick nähen.
Die eigene Familie schützen, bewahren und lieben - und sich ganz und gar der Entwicklungszusammenarbeit hingeben - das Karma ist niemals zuvor reiner gewesen!

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Hyperbilirubinämie, Holocaust und Fußball

Diesen Post können Sie/könnt Ihr auch auf Spanisch lesen:
Gespräch mit Henry Gruen, vormals Heinz Grünebaum
Schülerinnen der Jawne auf dem Schulhof 1939, Foto: www.zug-der-erinnerung.eu
Henry Gruen ist ehemaliger Schüler der Jawne, eines jüdischen Realgymnasiums, welches sich von 1919 bis 1942 in der Nähe des Appellhofplatzes in Köln befand. 
Ab 1933 hätte es zwei Initiativen für die Ausreise jüdischer Kinder gegeben, erzählt der 87jährige: die eine wurde von englischen jüdischen Gemeinden organisiert, für die andere war Erich Klibansky verantwortlich. Das jüdische Gymnasium wurde von ihm geleitet, er war dessen letzter Direktor. Klibansky hatte die Zeit verstanden. Er arbeitete mit aller Kraft dafür, dass möglichst viele jüdische Kinder nach England ausreisen konnten. Die Suche nach Patenfamilien war nicht einfach, aber er kämpfte wie ein Löwe für seine Schüler. Von der Jawne ist kein Stein übrig geblieben, doch dort wo sie sich befand, existiert heute eine Gedenkstätte mit einem Löwenbrunnen. Henry Gruen erinnert sich, dass man in der Schule großen Wert auf den Englischunterricht legte. Das war in den 1930er Jahren. Die Zeit drängte. Als es dann endlich soweit war, wäre die Ausreise für ihn ein spannendes Abenteuer gewesen. Doch das endete nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich 1940. Gruen wurde er als Enemy alien eingestuft und auf der Isle of Man interniert. Damals war er 15 Jahre alt. Seine Schwester und seine Eltern waren in Deutschland zurückgeblieben. Er sah sie nie wieder.
Schüler der Jawne kurz vor der Ausreise 1933 am Kölner Hauptbahnhof, Foto: www.kindertransporte-nrw.eu
In dieser Zeit wurde sein Interesse für Chemie geweckt. Henry Gruen erklärt, woran man eine Hyperbilirubinämie erkennt und wie man sie behandelt. Auf der Isle of Man lernte er Leute kennen, die bei ihm die Begeisterung für die Erforschung der Zusammenhänge zwischen chemischen Stoffen und Farben weckten. Erst spät hätte er erkannte, dass es immer die Mitmenschen gewesen seien, die seinem Leben die wichtigen Impulse gegeben hätten.
Weil sie wie die Juden den Sabbat feiern, besuchten auch Siebenten-Tags-Adventisten die jüdischen Schulen. Henry Gruen war es egal, mit wem er damals zusammen war – „Hauptsache, sie haben Fußball gespielt!“ 
Im Schulalltag der Jawne war Dr. Siegfried Braun der einzige Lehrer, der die Prügelstrafe nicht anwandte. Erich Klibansky wäre eine Autoritätsperson gewesen. Andere Lehrer hätten sie gnadenlos fertig gemacht. Bei Klibansky sind alle sofort ruhig geworden. Er organisierte ab 1933 die Transporte seiner Schüler nach England. 130 Kinder von ihnen konnte er retten. Als er sich selbst und seine Familie für den letzten Transport anmeldete, war es zu spät. Sie wurden 1942 in einem Waldstück in der Nähe von Minsk erschossen. 
Henry Gruen traf 1938 in England ein. Später wanderte er in die USA aus. Nach langen Überlegungen kehrte er 1971 nach Deutschland zurück und arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Chemiker am Max-Planck-Institut für Bioanorganische Chemie in Mühlheim an der Ruhr.
Erschreckend war für ihn die Tatsache, dass er nicht auf die Frage antworten konnte, wie man sich damals innerhalb der jüdischen Gemeinde oder in der Familie unterstützte. Weder Eltern noch Lehrer haben ab 1933 mit ihm über die Bedeutung der Ereignisse auf der Straße gesprochen. Und dabei war der Haß im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Straßenecke zu spüren. Viele seiner nicht-jüdischen Freunde wollten plötzlich nicht mehr mit ihm spielen. Fußball sei da die einzige Möglichkeit gewesen, den Frust herauszulassen. Beim Spiel verdrängte man das Thema und isolierte so sich selbst. Manchmal kickten sie extrem brutal. Nur die Isolation von innen war stark genug, um die Isolation von außen zu verkraften.
Henry Gruen ist der letzte noch in Deutschland lebende ehemalige Schüler der Jawne. Zum Abschluss sagt er, dass die Gegensätzlichkeit der Menschen eine große Chance für ihr friedliches Miteinander sei. Denn nur wenn man versuchen würde, den anderen zu verstehen, könne man sich selbst besser kennenlernen. So gelang es Henry Gruen, seine eigene Isolation zu durchbrechen.

Montag, 3. Dezember 2012

Quietscheentchen auf großer Fahrt - Teil II

Foto: wikipedia.org










Diesen Beitrag können Sie/könnt Ihr auch auf Spanisch lesen: Diario del pato de Enrique
161 Kilometer Flußkreufahrt lagen hinter ihm, als das namenlose Quietscheentchen am Montag, den 3. September 2012 den Bodensee erreichte. Nach einer ruhigen Nacht im Hotel wurde der See am nächsten Tag mit einem Boot überquert. Hintergrund der Aktion waren Strömungs- und Windverhältnisse. Da das Wasser aus den Alpen im Schnitt fünf Grad kälter ist als das Seewasser, sinkt es ab und füllt so den zweitgrößten (gemessen am Wasservolumen) See Mitteleuropas von unten her auf. Der Rhein fließt also nicht konstant durch den Lacus Constantinus (Name des Bodensees im Mittelalter) hindurch, was zu Folge hatte, dass die Ente eine Bootstour (Reisezeit wurde natürlich gestoppt) zum Hochrhein unternahm. Aufgrund der Windverhältnisse hätte sie allein dafür zwischen 4 Tagen und 4 Jahren gebraucht. 
[Foto: Satellitenaufnahme des Bodensees. Im rechten unteren Bildrand sieht man das Delta des Alpenrheins, am linken Bildrand erkennt man den Ausfluss des Hochrheins]
Die Uferlänge des Bodensees, der eigentlich eine Kombination aus zwei Seen ist, beträgt 273 km. Davon liegen 173 km in Deutschland, 28 km in Österreich und 72 km in der Schweiz. Demzufolge wurde der 4. September zum kosmopolitischsten Tag der Quietscheente. Sie überquerte drei Staatsgrenzen.
Und als wäre das alles nicht schon aufregend genug gewesen, suchte das Forscherteam am Ende des Tages noch einmal angestrengt die aufgewühlten Wassermassen hinter dem größten Wasserfall Europas ab und wartete gespannt auf ein GPS-Signal ihrer furchtlosen Teamleaderin. Die Freude war groß als man sich sicher war, dass die Gummiente die 23 Meter des Rheinfalls bei Schaffhausen ohne Schaden überwunden hatte. Von nun an schwomm die Ente bei Tag und auch bei Nacht - immer unter Beobachtung der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). 
[Foto: Rheinfall bei Schaffhausen (© Matthias Beck)]
Auf dem Weg nach Basel stellen sich dem Rhein mehrere widerstandsfähige Gesteine entgegen, die dazu führten, dass die Ente und ihr immer größer werdendes Team am 5. September insgesamt zehn Staustufen überwinden musste. Am 6. September gelangte die Entenexpedition aufgrund der Verlagerung der Schiffahrtsroute in den Rheinseitenkanal (Grand Canal d'Alsace) auf französisches Hoheitsgebiet. Bei Kembs-Loéchlé wurde sie im Rahmen eines exklusiven Schleusengangs in einem, in Vergleich zur Größe der Ente, gewaltigen Wasserbecken auf die nächste Staustufe gehoben [Foto: wdr.de]. Zurück in Deutschland übernahm des Team der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) die Betreuung der immer noch namenlosen Quietscheente.
Den letzten Teil der Entenexpedition können Sie/könnt Ihr schon bald auf Zentrodada lesen!