An Dienstag, den 30.10.2012 wurde Sean Penn vom bolivianischen Präsidenten Evo Morales der Titel eines "Botschafters für die Kokapflanze" verliehen.
Sean Penn und Evo Morales, Foto: ambito.com
Penn wurde auch gebeten, sich in Zukunft als Vermittler für die bolivianischen Forderungen nach einem Zugang zum Meer einzusetzen. Die bolivianische Pazifikküste war im Jahr 1884 durch einen Krieg mit Chile verloren gegangen.
Bolivianische Kunst für den zweifachen Oskargewinner, Foto: La Razon
Der Hollywood-Star wird sich darüber hinaus bei der US-Regierung für die Auslieferung des ehemaligen bolivianischen Präsidenten Gonzalo Sancchez de Lozada, genannt Goni, einsetzen. Seit dessen Regierung im Jahr 2003 gestürzt wurde, lebt er im nordamerikanischen Exil. Alle Versuche Boliviens, eine Auslieferung zu erreichen, sind bisher fehlgeschlagen. Goni wird angeklagt, in seinem Heimatland den Befehl gegeben zu haben, auf Demonstranten mit scharfer Munition zu schießen. Im Oktober 2003 starben 64 Menschen als das Militär eine Straßenblockade von Regierungsgegnern durchbrach.
Hier ein Video über den ersten Besuch von Sean Penn in Bolivia, vor acht Monaten. Leider nur auf Spanisch. Es dokumentiert das erste Zusammentreffen zwischen Sean Penn und Evo Morales. Der Schauspieler warb damals um Unterstützung für die Erdbebenopfer in Haiti.
Penn unterhält auch sehr gute Kontakte zum venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, was ihm in seiner Heimat auch viel Kritik eingebracht hat. Das Verhältnis der US-Regierung zu Venezuela ist schon seit Jahren äußerst angespannt.
Hugo Chavez und Sean Penn, Foto: liveleak.com
Was haltet Ihr vom Engagement Sean Penns in Südamerika? Sollte Koka Eurer Meinung nach legalisiert werden? Kann Penn überhaupt etwas erreichen?
„Heute wieder ein Aktivist und ein 16-jähriges Mädchen. Aber es war aus beiden nichts
herauszukriegen. Vielleicht kann ich das Mädchen retten (...) Ich versuche, jeden zu retten, der zu retten ist (...) Ich bin nicht der Mensch dazu, solche Untersuchungen zu führen, wenigstens nicht mit der Herzlosigkeit, die hier angewendet wird. Und doch bin ich dankbar, dass ich das machen muss, denn ich kann doch Manches noch gutmachen.“
[Wilhelm Hosenfeld in einem Brief an seine Familie, 23.08.1944]
Am 13. August 1952 verstarb Wilhelm Hosenfeld im Alter von 57 Jahren in einem Kriegsgefangenenlager. Alle Versuche seiner Familie und der von ihm geretteten Frauen und Männer, ihn aus der sowjetischen Gefangenschaft frei zubekommen, waren erfolglos geblieben. Auch der berühmteste Überlebende, Wladislaw Szpilman, der vielen aus dem Film "Der Pianist" bekannt ist, konnte das Militärtribunal nicht von der Unschuld Hosenfelds überzeugen.
Elf Jahre zuvor waren diese Heldentaten noch nicht absehbar. Wilhelm Hosenfeld, geboren 1895 in Mackenzell bei Fulda, war ein begeisterter Anhänger Hitlers, trat 1933 in die SA und 1935 in die NSDAP ein. Er organisierte nationalsozialistische Kundgebungen wie den "Tag des deutschen Volkstums".
Familie Hosenfeld in den 1930er Jahren, Foto: Archiv Familie Hosenfeld
Doch seine Meinung vom "Führer" änderte sich grundlegend, als der Zweite Weltkrieg begann und der Massenmord an den Juden endgültig in seiner ganzen Brutalität entfesselt wurde. Nach Polen in eine Wachkompanie versetzt erlebte er die Einrichtung des Warschauer Ghettos und schreibt in sein Tagebuch:
"Mit diesem entsetzlichen Judenmassenmord haben
wir den Krieg verloren. Eine untilgbare Schande, einen unauslöschlichen
Fluch haben wir auf uns gebracht. Wir verdienen keine Gnade, wir sind
alle mitschuldig. Ich schäme mich, in die Stadt zu gehen, jeder Pole hat
das Recht, vor unsereinem auszuspucken. Täglich werden deutsche
Soldaten erschossen, es wird noch schlimmer kommen, und wir haben kein
Recht, uns darüber zu beschweren. Wir haben's nicht anders verdient."
Und Wim Hosenfeld handelt: Er versorgt jüdische und polnische Verfolgte mit falschen Papieren, organisiert Verpflegung und stellt sogar einige von ihnen als Mitarbeiter in der von ihm betreuten Sportschule ein. Die genaue Zahl der von ihm Geretteten ist nicht bekannt. Es waren mindestens zwölf, wahrscheinlich mehr als 30 Menschen, die er vor dem sicheren Tod bewahrte. Einer von ihnen war Wladislaw Szpilman, dessen autobiographischer Roman "Tod einer Stadt" im Jahr 2002 als von Roman Polanski als "Der Pianist" verfilmt wurde.
Wladislaw Szpilman in den 1930er Jahren, Foto: wikipedia
Kurz nach der Befreiung Polens durch die Rote Armee wurde Hosenfeld gefangengenommen und erst einmal nach Minsk gebracht. In mehreren Verhören beteuert er seine Unschuld, doch die neuen Machthaber glaubten ihm nicht. Die Verhöre und die Isolationshaft konnten Hosenfelds Optimismus nicht brechen, richteten ihn jedoch physisch zugrunde. Er erlitt mehrere Schlaganfälle und starb schließlich in einem Kriegsgefangenenlager bei Stalingrad.
Ausschnitt aus dem Film "Der Pianist". Wladislaw Szpilman (Adrien Brody) spielt Chopins "Cis Moll Nocturne" für Wilhelm Hosenfeld (gespielt von Thomas Kretschmann):
„Unter entsetzlichen Schmerzen wird etwas Neues, Größeres und
Schöneres geboren. Es gibt auf der Welt keinen Untergang, keinen Tod
ohne Hoffnung auf Auferstehung. […] Der einzelne Mensch wird
ausgelöscht, aber die Menschheit wird weiterleben, und ich glaube, sie
wird besser und schöner aus der Katastrophe hervorgehen. Darum lohnt es
zu leben und zu hoffen.“ (Brief Hosenfelds an seine Frau, 16.3.1944)
Hullaballoo - so hieß 2002 das erste offiziell gefilmte Live-Konzert der Band aus dem Le Zénith de Paris. Eine Drei-Mann-Band im klassischen Stil: Gitarre, Schlagzeug, Bass.
Im Jahr 2013 hat sich das ein wenig verändert. Warum 2013? Weil Muse uns immer ein Stück voraus sind. Zunächst einmal scheint alles beim Alten: Die Band spielt immer noch in großen Hallen, es sind noch eimmer sehr viele junge Fans, sogar viele Teenager, die die Texte einfrig mitsingen, zumindest in England.
Foto: radio21.de
Gleiches trifft auch auf das neue Album The 2nd Law zu: Matthew Bellamy eröffnet mit einem wuchtigen Gitarrensound, läßt jedoch nach wenigen Sekunden keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, dass er sich an einer, sagen wir mal, differenzierten Instrumentierung versuchen möchte. Mit Erfolg. Na klar, man mag schon mal den vergangenen Tagen der Jugend nachtrauern, als Muse auf einer kleinen Nebenbühne bei Rock am Ring spielten, sie ein Geheimtip waren ... und man sie eben wie ein Teenager verehrte. Wir sind aller älter geworden. Muse sind es auch. Sie waren mit dem letzten Album "The Resistance" auf Platz 1 in 19 verschiedenen Ländern (jedoch nicht in den USA) und Bassist Christopher Wolstenholme, sechsfacher Vater, nach vielen erfolglosen Anläufen endlich der Alkoholsucht entkommen.
Die Special Edition von "The 2nd Law" enthält eine DVD mit Filmen zur Entstehung des Albums. Muse hatten ja den offiziellen Olympiasong 2012 beigesteuert (Survival - auch auf dem Album) und glänzten als Mainact bei der Abschlussveranstaltung der Spiele.
Nun kann man auf der DVD sehen, wie Matthew Bellamy mit verschiedenen Chorformationen und einem Kammerorchester diesen bombastischen Sound einstudierte. Zu sehen ist auch Schlagzeuger Dominic Howard, wie er professionell eine Riesentrommel mit 2,40 Meter Durchmesser bedient, die mit ihrer Klangkraft das Studio zum Schwingen bringt, nur um in der nächsten Einstellung zu zeigen, wie er die wenigen aber sehr gelungenen klassischen Schlagzeugparts einspielt.
Trotzdem: Ein bißchen Angst hatte man schon, als man die CD erstmals abspielte. Wird sich die Band Muse, so wie schon viele vor ihnen, in der perfekten Inszenierung verlieren? Aber trotz all der "Technik" (wie man die Arrangements ignorant bezeichnen könnte) hat das Album Klasse. Es ist nicht so wie bei U2's PoP, wo der absolute Wille zur Coolness einfach nur uncool war. Die Drei scheinen wirklich noch Lust zu haben, zusammen ein bißchen rumzujammen und eben auch ein paar neue Instrumente auszuprobieren. So zum Beispiel den coole Sound von Madness (2. Lied), der mit einem so genannten Kitara-Bass erzeugt wird.
Schaut Euch dafür bitte das folgende Video an. Klickt jedoch erst bei der 44. Sekunde rein:
Und Matthew Belamy mag U2. Jetzt kommts raus. Das ist nicht weiter schlimm, konnte man auf Frühwerken wie "Origin of Symmetry" und "Absolution" jedoch nicht erwarten. Auf 2nd Law gibt es einen wahren Discro-Kracher - "Follow me" - Nur leider hört er sich am Schluss wie "Where the streets have no name" von U2 an.
Aber allein das Stück "Big Freeze" ist Grund, sich "The 2nd Law" zu kaufen. Und das sind sie auch schon wieder: Unsere wilden böse Post-Grunge- Jungs. Vielen Dank Muse, dass Ihr mit uns gealtert seid! Ihr seid zum Glück nicht so uncool geworden wie wir.
P.S. Lied Nr. 10 und 11 singt Bassist Christopher Wolstenholme, der sie auch komponiert hat. Matthew Bellamy hatte aufgrund der Geburt seiner Tochter dieses Mal "nicht genug Zeit zum Komponieren".
Nr. 12 und 13 sind zwei Belamy-Experimentiersongs. Die Kreativität dieses Mannes ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Diesen Post können Sie/könnt Ihr auch auf Spanisch lesen. Hier ist der link!
Für einen Bolivianer, der nicht seit zwanzig Jahren in Kiel, München oder Köln wohnt, mag es unverständlich sein, für einen Deutschen erst Recht. Der Security-Mann jedenfalls, war darauf nicht vorbereitet. Er hatte ein Folklorekonzert erwartet - von irgendeiner südamerikanischen Band. Und dann hat er nur noch völlig verwundert ins Publikum geguckt, wo die Fans jede einzelne Strophe mitsangen.
Foto: Fummelmond
30% Gringos und 70% Bolivianer, Ecuatorianer (sehr lautstark) und Peruaner. Bestimmt waren auch Chilenen dabei. Der Kampf um einen guten Platz an der Bühnenabsprerrung war unerbittlich, dann musste man anderthalb Stunden warten. Unglaublich: Als es halb zehn war, dachte man schon, dass sie nicht kommen würden. Doch dann ging es plötzlich los. Und der Unmut über die lange Wartezeit war vergessen. Niemanden interessierte es mehr, warum die Band aus der drittgrößten bolivianischen Stadt, Cochabamba, zu spät auf die Bühne kam. Um die Aufmerksamkeit des Publikums mußten sich Kjarkas jedenfalls nicht bemühen. Seit 40 Jahren produzieren sie Lieder, insgesamt mehr als 400. Viele von ihnen sind zu Klassikern der "Wessis" geworden - der größte Teil ihrer Fangemeinde rekrutiert sich aus den Bewohnern der Andenregionen im Westen Südamerikas.
Ihre Lieder handeln von der harten, rauen und mythischen Andenregion; sie beschreiben Abschied und Tod - und natürlich die Liebe. Manche Texte mögen den europäischen Zuhörer bisweilen etwas schwülstig anmuten, aber sie werden durch diese wunderbare Musik getragen, die noch wesentlich mehr zu bieten hat, als traurige Liebeslieder: Alle vier bolivianischen Tanzgruppen, die an der Organisation der Kjarkas-Konzerte in Deutschland beteiligt waren, durften auf der Bühne für die Showeinlagen sorgen.
Begonnen haben Kjarkas mit einem ihrer schönsten Lieder: Munasquetay:
Los
Kjarkas sind nicht mehr die Jüngsten - zumindest nicht die
Gründungsmitglieder, aber ihre Musik brachte am 19. Oktober alle 900
Besucher des Brückenforum zum Tanzen. Es war vor allem ihr Abend - der Abend der Menschen, die fern ihrer Heimat leben. Kjarkas sind ihre Band. Viele der Zuhörer sind mit dieser Musik aufgewachsen.
Die Band spielte zwei Stunden. Alle Hits wurden mit teilweise sehr rockigen Posen vorgetragen. Das südamerikanische Temperament bricht hervor und erstirbt plötzlich, als für einen kürzlichen verstorbenen Tänzer eine Trauerminute eingelegt wird. Die Emotionen kochen an diesem Abend noch viele Male hoch. Der Security-Mann hat alle Hände voll zu tun, um die Groupies von der Bühne fernzuhalten. Doch spätestens beim Genuss der ersten richtigen Saltenha seit 10 Jahren (3 Euro pro Stück) wurde auch der unterkühlteste Gringo zum Fan von Los Kjarkas!
Das alte Radio funktioniert nicht mehr, hängt einem jedoch noch immer so am Herzen, dass man sich kein neues kaufen möchte. Der Kostenvoranschlag für den kaputten Receiver ist teurer als die eigentliche Reparatur? Wer von uns hat nicht schon einmal die "Wegwerfmentalität" kritisiert, sie jedoch immer als "alternativlos" akzeptiert?
Am 14. Oktober fand in Köln das vierte Repair Café statt. 20 ehrenamtliche Helfer nahmen zwischen 15 und 18 Uhr insgesamt 54 Geräte in Empfang, bauten sie auseinander und suchten gemeinsam mit den Eigentümern nach dem Fehler. Die Philosophie dieser "Selbsthilfegruppe" ist es nämlich, ihr Wissen weiterzugeben und so den Menschen Mut zu machen, ihre Geräte in Zukunft auch alleine zu reparieren. Eine Bezahlung gibt es nicht, Spenden sind erwünscht
WDR-Bericht über das dritte Kölner Repair Café im Juli 2012:
Die Idee kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Die Journalistin Martine Postma gründete im Oktober 2009 das erste Repair Café in Amsterdam, 40 weitere folgten und es werden ständig mehr. Ziel ist es nicht, den professionellen Reparaturfirmen die Arbeit wegzunehmen. Ganz im Gegenteil. Die Initiatoren dieser Treffen wollen bei den Menschen wieder die Lust am Reparieren wecken. Schwierige Fälle werden an die (leider nur noch wenigen) Profis weitergeleitet.
In Köln konnten am 14. Oktober 26 der 54 Geräte vor Ort repariert werden, für 16 Apparate müssen Ersatzteile bestellt werden, für 10 Geräte kam jede Hilfe zu spät.
Die Kölner, die im Januar 2013 zum fünften Repair Café einladen werden, sind die ersten in Deutschland, die die Idee aus den Niederlanden übernahmen, und haben schon viele andere Tüftler im ganzen Land inspiriert. Nachfolgend findet Ihr eine Liste der Repair Cafés, die schon über eine eigene Internetseite verfügen. Darüber hinaus haben wir Repair Cafés in Nürnberg, Celle, Mainz, Hannover und München gefunden.