Sonntag, 6. Januar 2013

Das verflixte 7. Jahr!


Sieben Jahre mit Evo - Bolivien am Scheideweg 
Der Andenstaat und sein indigener Präsident
Der Salar de Uyuni. Der größte Salzsee der Welt. Auf einer Höhe von 3600 Metern kann man nicht nur coole Photos machen, sondern auch Lithium abbauen. Vor einem Jahr haben Bolivien und Südkorea ein Abkommen unterzeichnet, dass die Förderung von 5,4 Millionen Tonnen dieses wertvollen Rohstoffs in Uyuni vorsieht.
Foto: N. Popratnjak
Seit Januar 2006 regiert der erste indigene Präsident Lateinamerikas ein Land, welches eigentlich unregierbar ist. Evo Morales macht vieles anders als seine Vorgänger, aber macht er es auch wirklich besser? Wir laden Sie/Euch auf eine Reise ein, die vom Salar de Uyuni über die einst so mächtige Silberstadt Potosí zu den 400 Jahre alten Kirchen der Jesuiten an der brasilianischen Grenze führt. Bolivien ist ein Land der Extreme und nicht alle Ureinwohner mögen ihren Koka-Präsidenten.
Ein Vortrag in der Volkshochschule Frechen
Donnerstag, 21.02.2013
19:30 - 21:00 Uhr
Dozent: Markus Thulin 
Den link zur Veranstaltung finden Sie/findet Ihr hier:

Mittwoch, 2. Januar 2013

Kampf dem Neoliberalismus!

Evo Morales treibt die Verstaatlichung voran

Den vollständigen Artikel können Sie/Könnt Ihr auf Latina Press lesen. Hier ist der link:
http://latina-press.com/news/142536-verstaatlichung-in-bolivien-fair-trade-oder-neue-abhaengigkeit/ 

Am vergangenen Samstag (29.12.) hat die bolivianische Regierung unter Präsident Evo Morales die Einrichtungen des spanischen Energiekonzerns Iberdrola von Soldaten besetzen lassen. Es soll innerhalb von 180 Tagen eine Entschädigung gezahlt werden.
Boliviens Präsident Evo Morales beim "Verstaatlichen". [foto: faz]
Man könnte annehmen, Morales würde diese regelmäßigen Verstaatlichungen nur für einen medienwirksamen Show-Kampf gegen den Kapitalismus nutzen. Aber er verfolgt einen Plan: 2006 überführte er die Ölindustrie in den Staatsbesitz, 2009 die größten Telefonanbieter des Landes. Nun sind die Stromkonzerne an der Reihe. Sein dickster Fang ist "Electropaz". Das Unternehmen versorgt mehr als 470 000 Bolivianer mit Strom. 
Vizepräsident Alvaro Garcia Linera gibt eine Stellungnahme ab - 31.12.2012 [Foto: www.laprensa.com.bo]
Es handelt sich aber auch dieses Mal nicht um den endgültigen "Befreiungsschlag". Die Spanier werden das profitable Geschäft mit dem Strom nicht ohne Widerstand aufgeben. Morales hat massive Probleme im eigenen Land. Mehrere seiner Vorhaben sind schon am Protest der Bevölkerung gescheitert. Er braucht dringend einen Erfolg, um das Vertrauen der Bevölkerung in seine Politik zurückzugewinnen.

Samstag, 29. Dezember 2012

Kölner Erbischöfe - Neuer Dom ohne Erzbischof

Kardinal Paulus Melchers (1813 - 1895)

"Zum ewigen Gedächtnis an den nach Verlauf von sechs Jahrhunderten glücklich beendeten Ausbau des größten deutschen Domes, des höchsten Bauwerks der Erde, haben Seine Majestät der deutsche Kaiser und König von Preußen Wilhelm und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, Augusta, (...) diese Urkunde unterzeichnet, welche in den Schlussstein der Kreuzblume des südlichen Domthurms niedergelegt werden wird. So geschehen zu Köln am Rheine den 15. October 1880."

Diese Urkunde zur Einweihung des Kölner Doms wurde von Kaiser Wilhelm und seiner Gemahlin Augusta, zahlreichen Hoheiten, Fürsten und anderen hohen Gästen unterschrieben. Von den 65 Unterschriften stammten nur sieben von Katholiken, keine einzige von einem katholischen Geistlichen. Doch es fehlte nicht nur die Unterschrift des Erzbischofs Paulus Melchers, des höchsten kirchlichen Würdenträgers in Köln, bei den Feierlichkeiten war er gar nicht anwesend.

Foto: Wikipedia.org
1876 waren dem Kölner Erzbischof vom "preußischen Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten" alle Ämter aberkannt worden. Da er steckbrieflich gesucht wurde, ging Melchers in das niederländische Exil. Die katholische Kirche befand sich im Kulturkampf mit der Reichsregierung in Berlin. Bismark wollte die Geistlichkeit aus der Politik vertreiben und vor allem wollte er, dass der Staat bestimmt, wer zum Erzbischof in Köln ernannt wird. Melchers war ein Kompromisskandidat zwischen Kirche und Staat gewesen. Und obwohl er sogar in jungen Jahren in Preußen seinen Militärdienst geleistet hatte und dem Bischof von Rom (Bezeichnung des Papstes aus der Zeit des Investiturstreits) ein gefährlicher Widersacher war, wurde Melchers nicht der erhoffte Helfer, sondern die Nervensäge für die preußische Verwaltung in Düsseldorf. Zahlreiche Verbote ergingen gegen den Münsteraner. Im Jahr 1874, also nur knapp zwei Jahre bevor die Polizei erneut eine Fahndung nach ihm ausschrieb, hatte er schon eine siebenmonatige Haftstrafe im Kölner Gefängnis Klingelpütz abgesessen.

Paulus Melchers, der wie sein späterer und nicht minder streitbare Nachfolger Josef Frings (1887-1978) Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz war, verfügte über genügend Macht, um Bismark ernsthaft Probleme zu bereiten. So setzte er sich ganz entschieden dafür ein, sein Personal selbst zu investieren. Doch war er genauso wie Frings nicht der strahlende Held, der sich allein Gottes Wort beugte. So stimmte er den Beschlüssen des Ersten Vatikanischen Konzils (1869-1870) zu und drückte in Folge mit aller Härte das Dogma durch, welches er selbst in Rom so rigeros bekämpft hatte: die Unfehlbarkeit des Papstes.  
 Das deutsche Kaiserpaar wurde zur Einweihung der größten Kathedrale Deutschlands im Oktober 1880 also nur von Weihbischof Johann Anton Baudri empfangen. Dem Ruhm des "nationalen Baudenkmals" und seiner Geldgebern konnte das nicht viel anhaben. Natürlich gab es einen Skandal. Aber bedenkt man, dass die Maße der fünfschiffigen Kathedrale für damalige Verhältnisse gigantisch waren - Langhauslänge 145 Meter, Querhausbreite 86 Meter, Höhe des Mittelschiffes 43 Meter, Höhe der Türme 157 Meter, umbauter Raum 407 000 Kubikmeter, Gewicht 160 000 Tonnen - dann ist nur verständlich, dass die Einweihungsfeier zu dem populären Großereignis wurde, für die sie geplant worden war. Der "Deutsche Rhein" wurde durch einen "Deutschen Dom" verziert.

Paulus Melchers durfte erst als Leiche nach Köln zurückkehren. Jedoch nur mit besonderer Genehmigung der Regierung des Königreiches Preußen. Seine sterblichen Überreste wurden im Dom beigesetzt.
 

Freitag, 28. Dezember 2012

Damit es wertvollen Menschen gut geht

 Ich mag es, Menschen zu pflegen. Sie sollen es gut bei mir haben. Eigentlich bin ich Krankenpfleger, aber seit zwölf Monaten verdiene ich meinen Lebensunterhalt mit der Pflege älterer Menschen.
Das Kölner Altenheim, in dem ich arbeite, heißt offiziell Seniorenzentrum. Doch der Begriff Altenheim trifft es besser. Es wurde innerhalb eines Jahres  aus dem Boden gestampft, für 80 Bewohnerinnen und Bewohner...

Den vollständigen Text können Sie/könnt Ihr bei "Zeit online" lesen. Der link zum Artikel:

Contergan - 50 Jahre später

Diesen Post können Sie/könnt Ihr auch auf Spanisch lesen: 
1957 kam der Arzneistoff Thalidomid in Deutschland unter dem Namen Contergan auf den Markt. Rezeptfrei. Vier Jahre später wurde das Medikament durch die Herstellerfirma Grünenthal vom Markt genommen. Grund war die Feststellung einer kausalen Beziehung zwischen der Einnahme von Contergan durch schwangere Frauen und einer Fehlbildungs-Welle von Neugeborenen bis Mitte des Jahres 1962. Die Frauen hatten das Medikament gegen Kopfschmerzen eingenommen.
In Deutschland sind damals 5000 Kinder mit schweren Behinderungen geboren worden – mit fehlende Extremitäten, Organschäden, ohne Augen oder Nase, taub. Nur zwei Drittel von ihnen haben das erste Jahr überlebt. 
Foto: Reuters
Contergangeschädigte Menschen haben jahrzehntelang ihre Kinder mit den Füßen gewickelt, sich sitzend vorwärts bewegt oder Flaschen mit den Zähnen geöffnet. Doch im Alter von 50 Jahren macht der Körper nicht mehr mit. Als Kinder haben sie fast akrobatische Bewegungsmuster erlernt, um selbstständig leben zu können. Nun machen sich die Folgen bemerkbar – Arthrose, Bandscheibenvorfälle, Muskelschwäche.
Es gibt in letzter Zeit vermehrt Berichte über Herzinfarkte bei Contergangeschädigten. Es sei schwierig, ihnen Bypässe zu legen, da man unter Verzicht auf Bein- oder Armvenen die Gefäße des Brustkorb für den künstlichen Ersatz der verstopften Herzkranzgefäße verwenden müsse. Es ist schwierig, bei Contergangeschädigten Blutdruck zu messen. Viele Gefäße sind fehlgebildet, verlaufen ins Leere.
Thalidomid ist nie wirklich aus der deutschen Medizin verschwunden. Es ist seit 2008 auch wieder offiziell zugelassen. Zur Behandlung des multiplen Myeloms (Knochenmarkkrebs). Thalidomid wird nur ausgewählten Ärzten zur Verfügung gestellt. Die Patienten müssen während der Therapie doppelt verhüten. Alle Patientinnen machen einmal pro Monat einen Schwangerschaftstest.
Demonstration von Contergangeschädigten im August 2012 [Foto: dapd}

Einige Ärzte, die contergangeschädigte Patienten betreuen, behaupten, sie betrieben „tägliche Körperverletzung“, weil Krankenkassen Massagen oder Krankengymnastik nicht mehr bezahlen würden. Laut einer Studie würde ein Drittel der Contergangeschädigten selbst für Massagen und Lymphdrainagen auf. Viele Betroffene beteiligen sich mit hohen Geldsummen am Umbau ihrer Wohnung. Die Conterganstiftung gewährt ihnen eine monatliche Rente von maximal 1152 Euro und eine jährliche Sonderzahlung. Diejenigen, die die dritte Pflegestufe anerkannt bekommen haben, erhalten noch ein paar Hundert Euro mehr von der Krankenkasse. Pflegestufe Drei oder Hartz IV zur Bekämpfung der Altersarmut?

Mit freundlicher Unterstützung von Deutschlandfunk