Mittwoch, 19. Dezember 2012

Der Weltuntergang - Teil II

Hilarius von Poitiers prophezeit den Weltuntergang für 365 nach Christus. 
Hyppolytus errechnet den Anbruch des Millieniums für das Jahr 400. 
Sextus Julius Africanus, Lactantius und andere gehen vom Weltende im Jahr 500 aus, basierend auf der Annahme des Datums der Schöpfung für 5.500 vor Christus und einer Weltlebensdauer von 6000 Jahren.
Im Jahr 1000 nach Christus lässt Otto III. den Leichnam Karls des Großen exhumieren, der Legende nach, damit der tote Kaiser den Kampf gegen den Antichrist führen kann.
Im zwölften Jahrhundert blühen die volkstümlichen Antichrist-Spiele auf. 
Hildegard von Bingen sieht das Millennium 1179 kommen. 
Für Joachim von Fiore bricht 1260 nach dem Zeitalter des Vaters und dem Zeitalter des Sohnes das Zeitalter des Heiligen Geistes an. 
Kaiser Friedrich II. behauptet, Papst Innozenz IV. sei der Antichrist - in Zahlen umgerechnet, ergibt sein Name die Zahl der Bestie, 666.
1239 - Papst und Kaiser erklären sich gegenseitig zum Antichristen.
1347 bis 1351 - große Pestwelle. Ein Drittel der Bevölkerung Europas stirbt. 
Der Reformator Hans Hut glaubt an das Weltende 1528, Melchior Hoffmann hingegen plädiert für 1533.

Exakte Berechnung
1533. Michael Stifel, ein Schüler Martin Luthers, ist Pastor im anhaltinischen Mansfeld. Dort langweilt er sich anscheinend und versteigt sich in mystizistische Zahlenspielereien.
Stifel rechnet:
„Ich will doch wissen, was geschehen wird! Wann es geschehen wird! Die Zahlen helfen mir.“
1532 publiziert Stifel in Wittenberg anonym das "Rechen Büchlin Vom End Christ. Apocalypsis in Apocalypsin".
Mit seiner Buchstabenrechnung kommt Stifel zu dem Ergebnis, das Ende der Welt komme am 3. Oktober 1533 morgens um acht Uhr. Er selbst sei der Engel, der die letzte der sieben Posaunen der Apokalypse blasen werde. Stifel weiht Martin Luther in seine Berechnungen ein. Der zeigt sich eher skeptisch.

Benediktus Aretius von Bern errechnet 1572 als Datum für die Wiederkunft Christi. 
Der Astrologe Richard Harvey favorisiert 1583 wegen der Konjunktion von Jupiter und Saturn. 
Martin Luther geht von einem Weltende vor 1600 aus. 
Zwischen 1652 und 1690 verbrennen sich 20.000 russische Altorthodoxe, weil sie in Zar Alexis I. den Antichristen sehen.
1780 wird die Sekte der "Shakers" in den USA gegründet, die an den baldigen Anbruch der Endzeit glaubt und deren Angehörige in einem "Schütteltanz" ihre Sünden abschütteln wollen. 
1874 - Laut Charles T. Russell, Gründer der Zeugen Jehovas, der Beginn der Endzeit.
1874 findet das von den Zeugen Jehovas ersehnte Armageddon nicht statt. Deren Gründer, Charles T. Russel, macht einen zweiten Versuch für einen Untergangstermin: 1894. Weitere Termine sollen folgen.
1914 - Jetzt aber wirklich: Joseph Rutherford, der neue Führer der Zeugen Jehovas, setzt den nächsten Termin für die Schlacht von Armageddon an. Fast scheint es, dass er Recht hat. Der österreichische Thronfolger wird in Sarajevo von serbischen Separatisten erschossen und der Weltkrieg bricht aus.
In den 1930er Jahren okkupieren die Nazis den biblischen Begriff des 1000jährigen Reiches für ihre Vorstellungen. Der weitere Verlauf ist bekannt. 
1945 fallen Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Atomare Katastrophe
9. November 1979 - Ein Techniker der US-amerikanischen Luftabwehr speist versehentlich ein Programm ein, das einen atomaren Schlag der Sowjetunion simulieren soll. Die Militärs glauben, dass 2000 sowjetische Raketen im Anflug sind. Der Gegenschlag kann gerade noch abgewendet werden. Am 26. September 1983 gibt es einen Fehlalarm auf der sowjetischen Seite. Nur durch das eigenmächtige Handeln des diensthabendes Offiziers Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow, der einen Angriff für unwahrscheinlich hält und den Alarm nicht weitermeldet, wird die Katastrophe verhindert.

1995 begehen Mitglieder der apokalyptischen japanischen AUM-Sekte einen Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn mit 13 Toten und 6000 Verletzten. 
1997 nehmen 38 Mitglieder der Sekte Heaven's Gate an, dass sich hinter dem Kometen Hale-Bopp ein außerirdisches Raumschiff befindet, das sie vor der Apokalypse abholen soll, und begehen Massenselbstmord.

Dezember 2012 - Sperrung von Bergen in Frankreich und Argentinien
Die Zugänge zum "Magischen Berg" von Bugarach (1231 Meter, Südfrankreich) und dem 1979 Meter hohen Uritorco in der Nähe des argentinischen Córdoba wurden durch die Behörden gesperrt. Das Städtchen Capilla del Monte zu Füßen des Uritorco, der schon den Ureinwohnern heilig war, erwartet am Freitag 15 000 Besucher. Es gab Hinweise auf einen geplanten Massenselbstmord. Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) verzeichnet zur Zeit einen Besucherrekord. Die Menschen wollen vor dem Weltuntergang noch einmal einen Blick auf die dort aufbewahrte 800 Jahre alte Handschrift der Maya werfen, in der der Weltuntergang angeblich für den 21. Dezember angekündigt wird.

Möglich wäre, dass ein großer Meteorit einschlägt. Möglich wäre, dass der Yellowstone wirklich ausbricht, die Asche die Erde verdunkelt und die Lebensbedingungen sich so sehr ändern, dass nur wenige Menschen überleben. Die Dinosaurier sind so ausgestorben. Möglich wäre, dass das ökologische Gleichgewicht unserer fragilen, dünnen Erdkruste zusammenbricht.

Weltuntergang mit Garantieerklärung
Die Leuchtkraft und der Radius der Sonne steigen kontinuierlich an. Etwa 900 Millionen Jahre nach Christus überschreitet die mittlere Temperatur auf der Erdoberfläche den für höhere Lebewesen kritischen Wert von 30° C. Das letzte menschliche Leben erlischt. Vier Milliarden Jahre nach Christus. Venus und Merkur werden vernichtet. Von der Erde aus gesehen nimmt die Sonne nun einen großen Teil des Himmels ein, und die Erdkruste wird zu einem einzigen Lava-Ozean aufgeschmolzen. Die Erde wird vom Roten Riesen, der einst die Sonne war, verschluckt.

1 Kommentar:

  1. Weltuntergang

    Kulturhistorisch bedeutet "Weltuntergang" nicht den Untergang der natürlichen Welt, sondern der kulturellen Welt. Es geht also um den Untergang der Kultur bzw. der Zivilisation durch den Zusammenbruch der Arbeitsteilung, der subjektiv von der jeweiligen Gesellschaft als "Weltuntergang" empfunden wird. Solche Zusammenbrüche hat es in der Kulturgeschichte, schon solange der Mensch Geld (anfangs Edelmetallgeld) benutzt, immer wieder gegeben, und die Ursache war immer die gleiche:

    "Spekulationen richten keinen Schaden an, wenn sie nur Blasen auf einem ruhigen Strom von Unternehmertätigkeit sind. Die Lage ist aber ernst, wenn die Unternehmertätigkeit zur Blase auf einem Strudel von Spekulationen wird."

    John Maynard Keynes

    Wird über einige Jahrzehnte an der Vermehrung von Sachkapitalien (Häuser, Fabriken, etc.) gearbeitet, sinkt aufgrund marktwirtschaftlicher Konkurrenz der Kapitalmarktzins, was an sich positiv ist, weil dadurch die Arbeitslöhne steigen. Weil aber ein a priori fehlerhaftes Zwischentauschmittel mit Wertaufbewahrungs(un)funktion (Zinsgeld) nur gegen eine Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins) mittel- bis langfristig verliehen (das heutige Papiergeld wurde gänzlich unreflektiert dem Edelmetallgeld der Antike nachgeäfft) und somit in neues Sachkapital investiert werden kann, aus dem jegliche Wertschöpfung und auch der Urzins erarbeitet werden, wird nicht mehr investiert, sondern nur noch spekuliert, sobald der Kapitalmarktzins auf die Liquiditätspräferenzgrenze von unter 3 Prozent absinkt. Dann kommt es zu der von Keynes beschriebenen Liquiditätsfalle – und am Ende zur globalen Liquiditätsfalle!

    Der endgültige Zusammenbruch der Weltwirtschaft passiert zwangsläufig, kann durch keine wie auch immer geartete "Finanzpolitik" aufgehalten werden und ist die Voraussetzung dafür, dass der allgemeine Glaube an das zivilisatorische Mittelalter (Zinsgeld-Ökonomie) beendet und der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation, die Natürliche Wirtschaftsordnung (Freiwirtschaft = echte Soziale Marktwirtschaft), verwirklicht werden kann.

    Dazu muss die reale Angst vor der bevorstehenden Auslöschung unserer gesamten "modernen Zivilisation" durch die globale Liquiditätsfalle (Armageddon) insgesamt größer werden als die seit Urzeiten eingebildete Angst vor dem "Verlust" der Religion:

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